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Fragen und Antworten zur Parodontalerkrankung
(Zahnbetterkrankung)
 

Wodurch entsteht diese Erkrankung?
Die Erkrankung entsteht in erster Linie dadurch, dass Bakterien (in Form von weichen Belägen) nicht regelmäßig innerhalb von 24 Stunden von der zunächst glatten Zahnoberfläche entfernt wurden. Die Beläge hatten dadurch ausreichend Zeit, sich zu Zahnstein "umzuwandeln". Dieser Zahnstein ist "steinhart" und hat eine sehr rauhe Oberfläche, auf der sich leicht weitere Beläge ansiedeln können. Weitere Beläge können dann von der rauhen Oberfläche um so schwerer entfernt werden; sie "wandern" allmählich in die Tiefe entlang der Wurzel des Zahnes.

Was ist bei einem parodontal-erkrankten Patienten anders als beim Gesunden?
Das Zahnfleisch ist nicht mehr direkt mit dem Zahn verwachsen, sondern liegt dem Zahn nur locker an. Bakterien haben sich Ihren Weg in die Tiefe "gegraben", haben Gewebe hierbei zerstört und werden allmählich den Zahn lockern, so daß der Zahn schließlich stark entzündet und schmerzhaft herausfallen wird.

Woran erkenne ich, dass ich eine Parodontalerkrankung habe?
Eine Parodontalerkrankung erkennt man an folgenden Auffälligkeiten:
  • Das Zahnfleisch ist im Übergangsbereich zum Zahn blut-rot (statt blass-rosa)
  • Das Zahnfleisch beginnt leicht zu bluten
  • Einzelne Zähne kann man eventuell sogar schon mit der Zunge etwas bewegen
  • Man hat gelegentlich Mundgeruch, der meist auch von Mitmenschen bemerkt wird

Kann ich von dieser Erkrankung geheilt werden und ist danach wieder alles wie vorher?
Ja, wir können Sie von dieser Erkrankung heilen, sofern wir die Erkrankung im Anfangsstadium behandeln und Zahnfleisch-Taschen von nur 3-4 mm vorhanden sind.
Nein, wir können Sie nicht von dieser Erkrankung heilen, sofern wir entweder Taschen belassen müssen oder die Taschen bereits tiefere Wurzelanteile der Zähne erreicht haben.

Wann sollte eine Parodontalerkrankung behandelt werden?
Die Parodontalerkrankung sollte behandelt werden, sobald Taschen von mehr als 2 mm festgestellt werden. Je früher sie behandelt wird, um so besser sind die Heilungs-Chancen!

Wie groß ist die Chance, eine Parodontalerkrankung erfolgreich behandeln zu können?
Die Chance, Sie von der Parodontalerkrankung heilen zu können, sind
  • "gut" bei Taschen bis zu 3 mm
  • "mäßig" bei Taschen bis zu 5 mm
  • "schlecht" bei Taschen ab 6 mm, bei bereits gelockerten Zähnen oder bei Zähnen mit mehreren oder "nicht-runden-Wurzeln" (Behandlung erfolgt nur auf Ihren ausdrücklichen Wunsch)

Was begünstigt die Entwicklung einer Parodontalerkrankung?
Parodontalerkrankungen finden sich meist bei Patienten, bei denen neben ungenügender Mundhygiene zusätzlich folgende Risiko-Faktoren bestehen:
  • Rauchen
  • Karies
  • Füllungen oder Kronen, die bis unter das Zahnfleisch reichen
  • Brücken oder miteinander verlötete (bzw. verblockte) Kronen
  • Zahnfleisch-Nischen zwischen den Zähnen oder sehr wulstiges Zahnfleisch
  • Knirschen oder Aufeinanderpressen der Zähne (selten)
  • Parodontalerkrankungen in der Familie, sowie einige weitere begünstigende Faktoren

Bei welchen Patienten entwickelt sich eine Parodontalerkrankung?
Bei wem sich eine Parodontalerkrankung entwickelt, an welchen Zähnen und wie schnell diese Erkrankung voranschreitet, kann man nicht vorhersagen. Voraussetzung für das Fortschreiten der Erkrankung sind jedoch spezielle Bakterien und "Zahnfleisch-Taschen".

Betrifft eine Parodontalerkrankung einen Zahn oder alle Zähne?
Eine Parodontalerkrankung fängt meist an einem Zahn an und breitet sich von diesem auf weitere Zähne aus, bis schließlich nach Jahren meist alle Zähne unterschiedlich stark befallen sind.

Seit wann habe ich diese Parodontalerkrankung?
Wie schnell sich die Erkrankung entwickelt hat, kann man nicht sagen. Wenn man jedoch Röntgenbilder desselben Zahnes zur Verfügung hat, die jeweils in einem größeren Abstand (z.B. ein Jahr) gemacht wurden, kann man abschätzen, wie schnell die Erkrankung an diesem Zahn fortgeschritten ist und wie gut die Chancen dieses Zahnes sind, langfristig erhalten zu werden. Daher ist es wichtig, dass wir "alte" Röntgen-Bilder für Vergleichszwecke erhalten.

Was ist das Ziel der Parodontal-Behandlung?
Das Ziel der Parodontal-Behandlung ist es, zu erhalten, was nicht bereits an Stützgewebe für die Zähne verloren gegangen ist. Man kann nicht Ihr "gesundes Zahnfleisch aus der Jugend" wieder herstellen. "Was weg ist, ist weg" (bis auf sehr wenige, sehr zeitaufwendige und sehr teure Ausnahmen). Das Beste, was wir mit teilweise aufwendigen Techniken erreichen können, ist, einen weiteren Abbau zu stoppen, um Schlimmeres zu vermeiden oder zumindest die Krankheit in Ihrem Abbau von Stützgewebe zu verlangsamen.

Welches Risiko gehe ich ein, wenn ich meine Parodontalerkrankung nicht behandeln lasse?
Wenn wir die bei Ihnen geplante Parodontal-Behandlung nicht durchführen, wird die Erkrankung zunehmend mehr gesundes Gewebe zerstören und Sie werden unweigerlich Ihre Zähne sehr viel schneller verlieren, als wenn wir keine Parodontal-Behandlung durchgeführt hätten.

Ist eine Parodontal-Behandlung schmerzhaft?
Nein, solange die Zahnfleisch-Taschen nicht sehr tief sind und das Zahnfleisch durch perfekte Mundhygiene von Ihnen gut vorbereitet wurde, wirkt die Anästhesie sehr gut. Sie werden keine Schmerzen haben. Es ist aber anstrengend, den Mund längere Zeit geöffnet zu halten.
Wenn wir Zahnfleisch-Taschen chirurgisch korrigieren mussten, sollten Sie für den Rest des Tages nicht viel sprechen oder telefonieren müssen. Schreibtischarbeit ist jedoch jederzeit möglich. Sollten wir dagegen auch Knochen korrigiert haben, werden Sie für 1-3 Tage Beschwerden haben. Sie sollten den Bereich zusätzlich kühlen. Bitten Sie uns, Ihnen ein Schmerzmittel zu verschreiben.

Wer macht die Parodontal-Behandlung?
Sie selbst machen 95% der Parodontal-Behandlung! Wir unterstützen Sie nur!
Meine Prophylaxe-Mitarbeiterinnen erledigen einen relativ kleinen aber entscheidenden Anteil der Arbeit, indem sie
  • Ihnen die entsprechenden Techniken zeigt
  • diese Techniken mit Ihnen übt
  • den Erfolg der Parodontal-Vorbehandlung durch Anfärben von Belägen kontrolliert und
  • die Zähne in den Problembereichen, die Sie nicht erreichen können, für Sie reinigt.

Sie erledigen dagegen den größten Anteil der Arbeit bei einer Parodontal-Behandlung, indem Sie selbst zu Hause zweimal täglich mit allen Techniken, die wir Ihnen empfehlen, die Problembereiche Ihrer Zähne vorsichtig reinigen, jedoch nicht "schrubben"!
Dr. Kremer erledigt dann zeitlich gesehen nur noch ca. 1% der Arbeit, in dem er die Wurzel-Oberflächen der erkrankten Zähnen chirurgisch reinigt. Zusätzlich verringert er die Tiefe derjenigen Zahnfleischtaschen, deren Zähne anders nicht zu retten sind.

Wann können wir mit der Parodontal-Behandlung anfangen?
Sobald Sie gezeigt haben, dass Sie Ihre Problembereiche an den Zähnen erfolgreich sauber halten können, werden wir mit der eigentlichen Parodontal-Behandlung beginnen.

Was würde passieren, wenn wir einfach mit der Parodontal-Behandlung anfangen würden, obwohl die Zähne von mir (Patient) noch nicht perfekt sauber gehalten werden können?
Wenn wir trotz ungenügender Mundhygiene eine Parodontal-Behandlung durchführen,
  1. werden Sie während der Behandung unnötige Schmerzen haben, da die Betäubungsspritze schlechter wirkt (ansonsten sollte eine Parodontal-Behandlung nahezu schmerzfrei sein!)
  2. wird esbedeutend stärker bluten bei der Behandlung
  3. werden die Schwellung und damit auch Schmerzen nach der Behandlung unnötig stark sein
  4. wird das Zahnfleisch sehr schlecht heilen und Sie werden zusätzlich Stützgewebe verlieren, wenn sich in der Heilungsphase der ersten 10 Tage weiche Zahnbeläge am Zahn ansammeln können. Wir würden Ihnen in einem solchen Fall mehr schaden als nützen, daher müssen wir mit dem Behandlungsbeginn warten, bis Ihre Mundhygiene nahezu perfekt ist

Bezahlt meine Krankenkasse eine Parodontal-Behandlung?
Sofern die Zahnfleischtaschen Ihrer Zähne nicht tiefer als 5 mm sind und eine gute Chance besteht, Ihre Zähne langfristig hierdurch erhalten zu können, bezahlt Ihre Krankenkasse die gesamte Behandlung. Eventuell läßt Ihre Krankenkasse jedoch durch einen Kollegen prüfen, ob es nicht preiswerter für Ihre Krankenkasse wäre, fragliche Zähne einfach ziehen zu lassen.

 

Was muss ich selbst bezahlen?
Aus eigener Tasche müssen Sie Mundhygiene-Mittel z.B. für spezielle Zahnürsten bezahlen sowie den Eigenanteil bei Medikamenten (jeweils zwischen 5,-DM und 150,- DM).

 

Welche unangenehmen Begleiterscheinungen kann eine Parodontal-Behandlung haben?
Der Erfolg einer Parodontal-Behandlung hängt in erster Linie davon ab, in welchem Maß die Anzahl der Bakterien in Zahnfleischtaschen verringert werden können. Bei Taschen geringer Tiefe ist dies durch besondere Techniken der Wurzel-Reinigung zu erreichen. Bei tiefen Taschen oder bei Zähnen mit Wurzeleinziehungen ist dies häufig nur durch Beseitigung der Taschen zu erreichen. Wenn wir jedoch Zahnfleischtaschen chirurgisch beseitigen (dies ist gelegentlich notwendig, um den Zahn zu retten), dann können freiliegende Zahnhälse die Folge sein, die temperaturempfindlich auf heiße und kalte Getränke oder Speisen reagieren. Diese Empfindlichkeit ist um so stärker, je mehr Beläge durch ungenügende Mundhygiene auf den Wurzeloberflächen belassen werden. Meist nehmen die Beschwerden jedoch im Laufe der Zeit ab. Außerdem können sich ästhetisch beeinträchtigende "leere Zahnzwischenräume" bilden. Die Zähne sind in diesem Fall jedoch meist gesund und konnten nur durch die erfolgte Parodontal-Behandlung meist für viele Jahre erhalten bleiben, anderenfalls wären sie sicherlich viel früher verlorengegangen. Sollten Sie diese "leeren Zahnzwischenräume" stören, kann man aus Silikon eine "Zahnfleisch-Maske" anfertigen, die kosmetisch diese Bereiche abdeckt.

 

Machen Sie eine Parodontal-Behandlung anders als viele Ihrer Kollegen?
Ja, wir behandeln parodontal-erkrankte Zähne statt in einem Schritt in zwei getrennten Schritten! Wir reinigen zunächst die Wurzel-Oberflächen der erkrankten Zähne mit einem speziellen, sehr schonend arbeitenden Gerät aus den USA und reinigen nur an einzelnen Stellen jede Wurzel-Oberfläche zusätzlich mit schabenden Handinstrumenten. Außerdem verwenden wir eine spezielle Spüllösung, die zusätzlich auf Körpertemperatur erwärmt wird. Dies alles garaniert Ihnen eine sehr schonende und schmerzfreie Behandlung. (Im Gegensatz hierzu wird normalerweise bei einer Parodontal-Behandlung sofort "geschnitten"). Hiernach warten wir ca. 6 Wochen, bis wir das Behandlungsergebnis für jeden Zahn einzeln neu beurteilen (= reevaluieren). Wenn einzelne Zähne hiernach immer noch behandlungsbedürftig erscheinen, planen wir an diesen einzelnen Zähnen zusätzlich eine "chirurgische" Parodontal-Behandlung. Der Vorteil für Sie besteht darin, dass wir bei einer chirurgischen Behandlung einzelner Zähne weit bessere Ergebnisse erzielen können, als wenn wir alles auf einmal "aufschneiden", wie man dies früher gemacht hat.

 

Was soll ich machen, wenn das Zahnfleisch wieder anfängt zu bluten?
Wenn das Zahnfleisch wieder anfängt zu bluten, pflegen Sie vor allem das Zahnfleisch dieses Zahnes besonders gründlich von allen Seiten - aber auch besonders vorsichtig und nur mit einer weichen, kleinen Zahnbürste. Die Blutung kann nur zurückgehen, wenn die Entzündung nicht durch weiche Beläge (Bakterien) unterstützt wird. Also vorsichtige "Einzelzahn-Pflege". Dies gilt nicht in den ersten 7 Tagen nach einer chirurgischen Parodontalerkrankung. In dieser Zeit sollten Sie in dem speziellen Bereich der Operation nur mit der Mundspül-Lösung "Chlorhexamed" den Mund spülen. Die übrigen Zähne, die nicht innerhalb der letzten 7 Tage operiert wurden, sollten dagegen besonders gründlich mit der Zahnbürste sauber gehalten werden!

 

Wie soll ich mich nach einem chirurgischen Parodontal-Eingriff verhalten, wenn also am Zahnfleisch "geschnitten" wurde?
Wenn am Zahnfleisch geschnitten wurde, schonen Sie diesen Bereich. Spielen Sie nicht mit der Zunge an den noch lockeren Wundrändern oder an den Nähten. Verwenden Sie 2x täglich die Mundspül-Lösung "Chlorhexamed" und putzen Sie sich die übrigen Zähne nicht früher als eine halbe Stunde davor oder danach, sonst kommt es zu bräunlichen Verfärbungen an den Zähnen.

 

Wer trägt die Schuld an meiner Parodontalerkrankung?
Sie tragen die alleinige Schuld an dieser Erkrankung, da Sie Ihre Zähne nicht perfekt gepflegt haben oder eventuell nicht perfekt pflegen konnten, was häufig bei älteren Patienten der Fall ist. Eine Parodontalerkrankung ist jedoch in gewisser Weise vergleichbar mit Diabetes (Zuckerkrankheit). Rechtzeitig erkannt und richtig behandelt, genießt man sein Leben wie jeder andere Mensch. Man muß seine Zähne und das Zahnfleisch nur zusätzlich pflegen,- vielleicht ein bischen mehr und anders, als man es bisher gewohnt war.

 

Was soll ich machen, nachdem die Parodontal-Behandlung erfolgreich abgeschlossen wurde?
Wir empfehlen Ihnen, spätestens nach Abschluss einer Parodontal-Behandlung vor jeder Kontroll-Sitzung eine Zahnreinigung zu vereinbaren ("Professionelle Parodontal-Prophylaxe"), denn Sie bleiben für den Rest Ihres Lebens ein "Risiko-Patient", bei dem die Erkrankung jederzeit wieder ausbrechen kann. Daher sind Kontrolltermine in dreimonatigem Abstand und prophylaktische Maßnahmen meist dringend notwendig. Dies kann in derselben Sitzung mit der Kontrolluntersuchung bei Dr. Kremer erfolgen, so dass es keinen zusätzlichen Termin für Sie bedeuten muß. Denn professionell gereinigte Zähne und regelmäßig kontolliertes Zahnfleisch sind der beste Weg, die Zähne ein Leben lang gesund zu erhalten.
Gern zeigen wir Ihnen in unserem Beratungszimmer zur Vorbereitung auf Ihre Parodontal-Behandlung unser Video zum Thema "Mund-Hygiene" (Dauer ca. 25 Min.). Bitte vereinbaren Sie hierfür bei Interesse einen Termin an unserer Anmeldung.

 

Sollten Sie daraufhin weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an meine Mitarbeiterinnen oder mich. Wir helfen Ihnen gern. Ihre Praxis Dr. Kremer und Mitarbeiterinnen
 

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